Utopie

Heute war Prüfungstag.

Ich war nervös, aufgeregt und angespannt. Doch es war nicht mein Prüfungstag.

Ich erwähnte in meinem letzten Blog, den Kurs am bfi, den ich abgebrochen hatte um meine Prüfung früher machen zu können.

Heute war der reguläre Prüfungstermin für die verbleibenden Teilnehmer. Meine Ex-Kollegen.

Wir haben damals knapp 40 Stunden die Woche miteinander verbracht. Mehr als mit unseren Freunden, Familien, Bekannten.

Ich wäre am liebsten dabei gewesen, aber ich hatte heute Englisch. Nach meinem Kurs bin ich sofort mit meiner ehemaligen Grupe in Kontakt getreten, und habe erfahren, dass alle die Prüfung bestanden hatten. Ich habe mich mehr gefreut als damals bei meiner eigenen.

Meine Gruppe war zur Feier der Erfolge in ein Lokal gegangen und ich wollte dazukommen. Als ich in der Nähe war begann ich zu laufen. Ich weiss nicht warum. Aber ich lief. Ich stellte mir vor, wie sie alle glücklich an einem großen Tisch versammelt sitzen, und essen, trinken, reden, feiern und sich freuen. 

In der Gruppe gab es immer Differenzen.

Aber die gibt es doch immer?

Wer kennt das nicht? Man geht auf ein Familienfest, und sieht den blöden Cousin den man garnicht mag, aber ihn trotzdem freundlich grüßt. Die Großmutter, die einen nicht ernst nimmt und man sie trotzdem gern hat. Den Onkel, den man bewundert und respektiert. Die Tante die einem auf die Nerven geht, aber auch sie bekommt eine Umarmung. Warum?

Ganz einfach: Weil sie zu der Familie gehören.

Familie ist für mich ein dehnbarer Begriff. 

Ist der Mann, der mich gezeugt hat, mein Vater?

Ist die Frau, die meinen Onkel heiratet, meine Tante?

Nein. In meinem Fall nicht.

Sind die Menschen, mit denen ich ein Jahr lang, mehr Zeit verbrachte habe, als mit den Menschen die ich davor kannte und liebte, oder meine Blutsverwandten, meine Familie?

Ja. In meinem Fall schon. JEDER EINZELNE.

Jedes Mitglied der Gruppe, ist heute in Teil von mir.

Zurück zur Geschichte:

Ich lief. Meine Emotionen trieben mich.

Ich hatte keinen Atem mehr, doch ich lief.

Als ich ankam, blieb ich erst hinter einer Säule stehen und verschnaufte. Ich versuchte zu verstehen was mit mir los war, doch ich konnte es nicht.

Ich ging durch die Tür und sah sie:

Alle saßen gemeinsam an einem Tisch, aßen, tranken, redeten,  feierten und freuten sich. Und da war ein leerer Stuhl.

Ich begrüßte alle, und dann sagte einer: "Komm her, setz dich."

Ich saß mich hin und hatte das Gefühl nie weg gewesen zu sein. Mir wurden Fragen gestellt. Ich stellte Fragen. Wir teilten Geschichten und Erzählungen, schwelgten in den Erinnerungen an vergangene Ereignisse.

Diese warme Aufnahme wärmte mein Herz.

An dieser Stelle möchte ich euch danken.

Danke für jedes Wort.

Danke für jede Gestik.

Danke für jede Mimik.

Danke für jedes gemeinsame Ereigniss.

Danke für jedes Gespräch.

Danke für jeden Tag, jede Stunde, jede Minute und jede Sekunde die ich mit euch verbracht habe.

Danke für jeden einzelnen von euch.

Ich gratuliere euch allen zur bestandenen Prüfung, und wünsche euch viel Erfolg in der Zukunft. Und ich hoffe, dass unsere Wege sich niemals trennen werden. 

Doch das befürchte ich, ist Utopie...

 

 Mein Song für euch:

 The Rembrandts - I'll be there for you

I'll be there for you, cause you where for me too ...

 

 

19.10.10 20:56

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